Eine große Mehrheit der AS-Kinder leidet unter schwachen bis starken Laufproblemen und Ataxie. Das nur schwach betroffene Kind kann sich fast normal fortbewegen. Es kommt evtl. lediglich zu schwach ausgeprägtem "Zehenspitzenlaufen" oder, durch mangelnde Muskelanspannung, zu einem "patschigen" Gang. Dies kann durch die Tendenz zum Laufen mit vorn übergebeugtem Oberkörper und hervorgestreckten Armen begleitet sein, was teilweise den Anschein erweckt, als renne das Kind vorwärts.

Diese Kinder scheinen keine schwerwiegenden Gleichgewichts- oder Koordinationsprobleme zu haben.

Andere Kinder laufen sehr steif und roboterhaft oder schwankend und ruckartig. Obwohl sie recht effektiv krabbeln können, scheinen sie oft regelmäßig zu erstarren oder reagieren sehr ängstlich, wenn man sie auf die Beine stellt. Der Körper wird steif, und diese Ataxie (der ganze Körper scheint die Orientierung im Raum verloren zu haben) resultiert in dem ungeschickten, roboterhaften, unkoordinierten Gang. Die Beine werden weit auseinander, die Füße flach auf den Boden gesetzt, wobei sie ausgedreht sind (oft als pronierte Valgusstellung des Fußes bezeichnet). In einigen Fällen scheint die Ganghaltung etwas gebückt, mit lumbaler Lordose (Rückgratverkrümmung im Beckenbereich), hervorgebeugtem Becken und leichter Beugung der Knie. Kindern, die stark ataktisch sind, fällt die Fortbewegung sehr schwer und es ist möglich, dass sie erst mit 6-8 Jahren laufen lernen.

Medizinische Gutachten können zur Diagnose zerebraler Lähmung als Erklärung für den anomalen Gang führen, besonders, da Bänderreflexe immer hyperaktiv sind und der Tonus (Spannung) der Muskeln, je nach Zeitpunkt der Untersuchung und "Verhaltenszustand" des Kindes, entweder zu schwach oder zu stark ausfallen kann. Es liegt in der Regel ein gewisser Grad von Muskelschwäche vor.

Eine Minderheit der AS-Kinder benötigt "Stützkorsetts", Gehhilfen oder orthopädische Operationen, um die Füße richtig auszurichten. Durch das variierende Ausmaß der Ataxie muß jede Behandlung oder rehabilitative Entscheidung dem Einzelfall angepaßt werden. Trotz dieser Koordinations- und Gleichge-wichtsprobleme lernen über 80 % der AS-Kinder laufen.

Während der Pubertät kann es zu Skoliose (dauerhafte Krümmung der Körperachse infolge Asymmetrie von Wirbelsäulenkomponenten) kommen, was ein besonderes Problem für die Minderheit der Erwachsenen mit AS darstellt, die nicht richtig laufen können und an den Rollstuhl gefesselt sind, bzw. einen sehr steifen Gang haben. Die Skoliose wird nicht mit "strukturellen" Anomalitäten der Wirbelsäule in Verbindung gebracht und kann daher, wie andere Varianten rotatorischer thoraktaler Skoliosen auch, regulär behandelt werden, mit rechtzeitigem Abstützen, um eine Fortschreitung zu verhindern, sowie in einigen Fällen mit operativer Korrektur oder Stabilisierung. Es gibt allerdings noch wenig Erfahrung mit der Behandlung der Skoliose bei älteren AS-Kindern.

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