Frühes Säuglingsalter

Die Diagnose wird selten schon in dieser Entwicklungsphase gestellt, jedoch treten viele typische Verhaltensweisen und physische Merkmale auf, die auf das Angelman-Syndrom deuten. Probleme beim Stillen des Säuglings treten häufig auf und sind durch Schwierigkeiten beim Saugen und Schlucken gekennzeichnet. Einige AS-Babys zeigen sogar kein Interesse am Stillen. Die Säuglinge weisen teilweise anormales Herausstrecken der Zunge oder starkes Sabbern auf, was auf ein oralmotorisches Koordinationsproblem zurückgeführt werden kann. Häufiges Spucken kann als Überempfindlichkeit gegen die Nahrung oder deren Zusammensetzung fehlinterpretiert werden. Wegen des häufigen Spuckens wird teilweise ein Verdacht auf gastroösophagealen Reflux (Rückfluß) geäußert und obwohl ein Reflux vorhanden sein kann, so ist er unterschiedlich in dessen Ausmaß. Dieses „Spuckproblem“ kann zu Gewichtsverlust oder geringfügigen Entwicklungsstörungen führen, was oft eine Reihe von Arztbesuchen zur Folge hat.


Bei AS-Kindern ist oft frühzeitig „soziales Lächeln“ zu beobachten und zwischen 3 und 6 Monaten kommt es zu übermäßigem Kichern und Gurgeln. Diese exzessive Freude kann mit der hervorgestreckten Zunge in Verbindung gebracht werden, was dann den Anschein erwecken kann, sie sei besonders groß. Neueste Forschungen lassen Anomalitäten in den Gesichtszügen erkennen (→ siehe Bericht DeepGestalt). Eine gewisse Muskelschwäche kann auftreten, ist jedoch in der Regel nicht gravierend. Eine Verzögerung der motorischen Entwicklung wird mit 6 - 12 Monaten deutlich, wenn das Kind noch nicht krabbelt und sitzt. Bei einigen Kindern vermutet man eine schwache zerebrale Lähmung, besonders da starke Bänderreflexe (z.B. Kniereflex) fast immer hyperaktiv sind. Die Bewegungen des Oberkörpers können bebend/zittrig sein und den Sitzvorgang oder andere Fähigkeiten, für die ein Gleichgewicht der Lendenwirbelsäule notwendig ist, stark behindern.
Eine Minderheit der AS-Säuglinge bekommt schon im Alter von 12 Monaten Krampfanfälle. Diese Anfälle können sehr heftig sein und sind begleitet von einem auffälligen EEG. Oft besteht die Notwendigkeit, in Absprache mit einem Neurologen, Antiepileptika zur Kontrolle der Anfälle zu verabreichen.
Obwohl die Kopfgröße bei der Geburt normal ist, kann zwischen 6 und 12 Monaten erstmals die Besorgnis um einen auffällig kleinen Kopf (Mikrozephalie) auftreten.


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