AS-Kinder fangen wegen ihrer Gleichgewichtsstörungen und den ruckartigen Bewegungen erst spät mit dem Laufen an. Beim Versuch zu stehen oder zu laufen ergeben sich eine Reihe von Hindernissen. Manche Kinder sind so ataktisch, dass das Laufen für sie unmöglich ist, bis sie älter werden und sich motorisch besser unter Kontrolle haben. Andere Kinder laufen bereits mit 2-3 Jahren, da die Stärke der Ataxie*) sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Das anomale Laufen führt oft zu einer orthopädischen Untersuchung, besonders wenn zunächst der Verdacht auf zerebrale Lähmung bestand.

Bei Kindern mit Krampfanfällen sind diese in dieser Entwicklungsphase medizinisch schwer in den Griff zu bekommen, obwohl die Anfälle meist recht schwach ausfallen. Dafür können sie häufig auftreten und eventuell nicht auf die verabreichten Antiepileptika ansprechen, so dass teilweise ein wiederholtes Wechseln der Medikamente sowie häufige Besuche beim Neurologen notwendig werden.

Bei Kindern, die noch nie unter Krampfanfällen litten, können sie in dieser Entwicklungsphase auftreten. Leidet das Kind mit 8 Jahren noch nicht unter Anfällen, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es auch weiterhin davon verschont bleibt. Einige wenige Kinder bekommen nie Anfälle, obwohl das EEG auffällig ist und bleibt.

Während dieses Alters wird das Entwicklungstraining meist in schulischer Umgebung fortgeführt. Eine bedeutende Anzahl der AS-Kinder wird relativ trocken (kontinent), wobei dies sehr viel Geduld und ein genau strukturiertes Training erfordert. Viele Kinder sind in diesem Alter jedoch nicht vollkommen trocken. Eine relativ große Anzahl kann zwar „zeitlich“ trainiert werden, ist jedoch trotzdem nicht absolut kontinent. Beschäftigungstherapie und Physiotherapie müssen meist im schulischen Rahmen durchgeführt werden. Selbsthilfefähigkeiten, wie Essen und Anziehen, sind Therapiekomplexe, die oft durch Ungelenkigkeit und unkoordinierte Bewegungen behindert werden, obwohl sich diese motorischen Probleme in der späteren Kindheit bessern können.

Schlafprobleme kommen häufig vor, und im häuslichen Rahmen wird dem Kind meist ein besonders sicheres Zimmer bereitet. Einige Familien haben Spezialbetten mit hohen Seitenteilen und Gittern konstruiert. Wegen ihrer motorischen Hyperaktivität sind AS-Kinder besonders gefährdet. Sie können sich z.B. beim Fallen verletzen oder gegen Möbel stoßen. Die Schlafstörungen stellen für manche Familien eine besondere Belastung dar und einige AS-Kinder bekommen daher Beruhigungsmittel, um besser schlafen zu können. Die Einnahme von Medikamenten ist jedoch generell nicht zu empfehlen. Quergestellte Türen oder andere Raumteiler werden oft verwendet, um „Entdeckungsreisen“ des aktiven AS-Kindes einzuschränken.

*) Ataxie: Störung der Bewegungsabläufe und der Haltungsinnovation mit Auftreten unzweckmäßiger Bewegungen infolge gestörter funktioneller Abstimmung der entsprechenden Muskelgruppe

Zur nächsten Entwicklungsphase: 8-15 Jahre

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