Prof. Dr. Clayton-Smith

Eine historische Betrachtung des Angelman-Syndroms

Frau Prof. Dr. Clayton-Smith gab einen sehr guten Überblick über die verschiedenen Erkenntnisphasen zum Angelman-Syndrom. Sie beschrieb Harry Angelman als einen sehr guten Beobachter und das seine erste Beschreibung des Syndroms noch bis heute eine der besten Arbeiten zum Angelman-Syndrom ist. Er selbst nannte die von ihm beschriebenen Kinder Puppen-Kinder, weil ihn der Gesichtsausdruck eines Jungen auf einem Ölgemälde so sehr an die Angelman-Kinder erinnerte.

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Erst 1982 bewirkte ein Artikel von Dr. William (Gastredner auf Jahrestreffen 2010) die Umbenennung. 1987 entdeckte man durch mikroskopische Beobachtungen, dass eine Lücke (Deletion) auf dem Chromosom 15 entweder das Prader Willi- oder das Angelman-Syndrom hervorruft. In der Folge wurde klat, dass es darauf an kommt, auf welchem Strang die Deletion vorliegt: 

  • mütterlich = Angelman-Syndrom
  • väterlich = Prader Willi Syndrom

1991 entdeckte man die paternale uniparentale Disomie, also zwei väterliche Stränge. Das Fehlen des weiblichen Strangs verursacht hierbei das Angelman-Syndrom. 1992 gelang es erstmalig das AS sicher mit der FISH-Analyse zu erkennen. Dadurch wurde eine größere Grußße Angelman-Kinder in England bekannt und deren Entwicklung konnte besser beobachtet werden - durch Frau Prof. Dr. Clayton-Smith! Sie war es auch die die Eltern dazu anregte Selbsthilfegruppen zu gründen. Durch ihre Anregung entstand übrigens auch unser Verein.

Prof. Dr. Horsthemke (u.a.) entwickelte 1992 den Methylierungs-Test zur Erkennung des AS. Dieser Test ist bis heute im Gebrauch. Er war es auch der 1994 erstmalig das Imprinting beschrieb. 1997 gelang es Dr. Wagstaff ungefähr zeitgleich mit Arthur Beaudet das Fehlen des UBE3A-Gens als Ursache für AS zu identifizieren. Die Vererbungsmöglichkeiten wurden nun klarer. 1999 wares wieder Prof. Dr. Horsthemke, der entdeckte, dass es auch Mosaik-Fälle geben kann, also das Vorhanden sein veschiedener AS-Ursachen gleichzeitig (Deletion, Mutation, etc.). Auch kann die Gen-Mutation durch Vorhanden sein in ganz anderen Zellen als den Gehirnzellen weitergegeben werden. Dies ist aber sehr selten. Wenn das AS heute zwar klinisch vorliegt, aber genetisch nicht bestätigt werden kann, gibt es verschiedenste Möglichkeiten, auch die, dass es noch eine völlig andere Ursache neben UBE3A-Defekt geben kann. Oder es handelt sich um ein anderes dem AS äußerlich sehr ähnlichen Syndrom, z.B. Rett-Syndrom, Mowat Wilson-Syndrom, Christiansen-Syndrom, Pitt Hopkins-Syndrom (IB#36 S. 34), Ohtahara-Syndrom oder West-Syndrom. Die genetischen Erkennungsverfahren sind inzwischen weiter entwickelt. So kann das AS inzwischen auch bei allgemeinen Checks erkannt werden (nur Mutation!). Der Methylierungs-Test ist aber immer noch der beste. Heute macht die Forschung zum AS beachtliche Fortschritte.

Frau Prof. Dr. Clayton-Smith mahnt aber, dass für eine noch unabsehbare Zeit (bis zur Entwicklung einer Behandlungsmethode) die herkömmlichen Therapien und Kommunikationsmaßnahmen angewandt und verbessert werden müssen. Der internationale Austausch unter den Eltern kann hierbei eine immer wichtigere Rolle spielen!

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